Zu den Liedern
der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614 e.V.

Die Geschichte der Lieder der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614 ist bemerkenswert lang und – wie an späterer Stelle nachzulesen ist – auch sehr stark von den Zeitumständen geprägt, in denen die jeweiligen Texte und Melodien entstanden oder – wie vor allem bei den Melodien häufig – übernommen wurden.

Lange Jahre sind diese Lieder nur live gespielt und gesungen worden. Erst sehr spät erschien eine erste CD mit dem einleuchtenden Titel „Helau Fastaubend“, die der unvergessene Eckhardt Raska 1995 produzieren ließ. Sie ist schnell vergriffen gewesen und heute nur noch antiquarisch oder als MC im Stadtmuseum (6 EUR) erhältlich.

Zusätzlich verdanken wir Eckhardt Raska, dass er für die bekanntesten Dammer Carnevalslieder 1995 erstmals Notensätze für verschiedene Instrumente verfasst hat, was insbesondere auswärtigen Musikgruppen, die während der Umzüge spielen, zugute kommt. Diese Notensätze sind nach wie vor im Musikhaus Raska an der Bahnhofstraße käuflich zu erwerben.

Schon zwei Jahre später – 1997 – ließ Günter Vormoor, ebenso wie Eckhardt Raska ein bewährter und geübter Hofmusikus im Dammer Carneval, mit einer Gesangsgruppe eine weitere CD einspielen, die den Titel „So klingt’s von überall“ trägt. Auch sie war innerhalb kürzester Zeit vergriffen.

In der Folgezeit formierte sich im Rahmen der vielen Aktivitäten der Dammer Carnevalsgesellschaft auf maßgebliche Initiative von Eckhardt Raska das >> "Dammer Narrenblech, dessen Stabführung nach dem Tod von Eckhardt Raska der bewährte musikalische Leiter Johannes Tabor übernahm. 2005 produzierte das Narrenblech die dritte CD mit einem anderen Konzept, das die häufigsten Stimmungslieder aus dem Dammer und sonstigen Carnevalsgeschehen aufgriff. Diese CD ist unter dem Titel „Stimmung Dammensia“ (9,95 EUR) im Stadtmuseum Damme erhältlich.



Lieder

>> Lied Nr. 1 oder: Es tönet Bellenklingen
>> Prinzenlied oder: Es braust ein Ruf wie Donnerhall
>> In Damme ist heut’ Carneval
>> Dammer Lied oder: Wir, das alte Volk von Damme
>> Kerls, seid fidel
>> Damme, du bist wunderschön oder: Wir sind aus gutem Holz
>> Einmal ist keinmal
>> Am liebsten beides
>> Helau! Helau!
>> Muck und Trina
>> Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien

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Die bekanntesten und beliebtesten Lieder der Dammer Carnevals-
gesellschaft von 1614:
Wie sie wurden, was sie sind.

Wer ist die Nummer eins?
Das berühmte „Lied Nr. 1", das da alljährlich den unmissverständlichen Auftakt aller närrischen Aktivitäten im Dammer Raum mit dem Ruf „Es tönet Bellenklingen" verkündet, steht seit vielen Jahrzehnten am Beginn jeder Fastnachtssitzung der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614.
Das hat natürlich seinen tieferen Grund, weil es doch einerseits zu den ältesten gehört, die wir kennen, und weil es andererseits so viele programmatisch-närrische „Weisheiten" enthält, wie es kaum zu fassen ist. Schon die letzten zwei Zeilen der Schluss-Strophe machen das sonnenklar, denn da heißt es ohne Umschweife und einleuchtend:
„Der Unsinn währt länger als alles sogar.
Der letzte Mensch ist schließlich der allerletzte Narr."
Wie könnte man und frau den Nagel besser auf die Narrenkappe treffen? Wer sich die Mühe macht, die Herkunft des Liedes aufzuspüren, wird feststellen, dass diese beiden Zeilen aus der Feder oder Kehle von August Leiber-Wehberg (1859-1938) geflossen oder ertönt sind und genauso wie die zwei vorhergehenden
„Drum geht das Reich nicht unter, wenn alles zerfällt.
Der Fasching bleibt bestehen bis zum Ende der Welt."
in den Dammer Fastnachtszeitungen als Leitspruch um die Jahrhundertwende immer wieder fettgedruckt und in schönster Regelmäßigkeit wie auch im fliegenden Wechsel auftauchten. Und an dieser aufschlussreichen Stelle nehmen wir mal das Protokollbuch der Dammer Carnevalsgesellschaft zur Hand und schlagen die Sütterlin-handgeschriebenen Jahrhundertwendeseiten auf. Was finden wir da?

Neues Liederbuch und anderes Reich
Im Januar 1901 beehrt sich die Dammer Carnevalsgesellschaft anzuzeigen, dass erstmals ein Liederbuch für den „Närrischen Verein" - ebenso wie „Prinz Fasching den Treuen sogleich" - erschienen ist, das alles „Liedgut der Dammer Fastnacht zusammengefaßt hat". Schon 1899 war eine „Commission zur Verfassung geeigneter Lieder" gewählt worden, in der sich neben dem bereits erwähnten August Leiber-Wehberg die renommierten Dammer Herren Joseph Wiegel, Robert vor dem Esche, Fritz Börger und Rudolf Nordhoff zusammenfanden und einen Grundstock schufen, von dem wir heute noch zehren.
Zwar ist damals nach 1,5 Jahren nach außen hin immer noch nichts geschehen, doch auf der Generalversammlung 1900 erhält die Sache eine rasante Beförderung, als Robert vor dem Esche wettet, 50 l Bier zu stiften, falls bis zur nächsten Sitzung kein Liederbuch vorläge. Und das klappte dann tatsächlich, weil er wohl schon die fertigen Lieder in petto hatte. Auch „Kerls, seid fidel" und das durchs ganze deutsche Vaterland donnerhallende Prinzenlied (Prinz Eugen, "der edle Ritter", als Symbol und Melodie der Freiheitskriege lässt grüßen!) befanden sich zweifellos im Buch Nr. 1. Wir erkennen sogar im Lied Nr. 1 einen dezenten politischen Hinweis, denn der Fastnachtsprinz „kündet der Narrheit ein anderes (!) Reich". Da wird Se. Kaiserliche Hoheit seinerzeit wegen der Dammer „Revolutionäre" ganz schön Durchlauchtigsten Bammel gehabt haben, falls dem alten Wilhelm dies je zu Ohren gekommen ist.

Kleine Goethes und Schillers
Einige Lieder, die heute vergessen sind und die mit dem „Taumel wahrer Wonne", mit viel „Elysium", mit jeder Menge „schäumender Pokale" und „des Glückes Zelt" arbeiten, kommen wohl auch aus dieser Zeit vor der Jahrhundertwende, als alle Heimatdichter kleine Goethes oder Schillers sein wollten und vor Pathos nur so überquollen. Sie sind zwar in den Neuauflagen mit schöner Regelmäßigkeit wieder aufgetaucht, wurden aber immer seltener gesungen, weil sie nicht mehr den Nerv der Zeit oder der Narren trafen. Sie trugen so bezeichnende Titel wie „Hurra, hurra!" oder „Hoppediz-Lied". Das älteste überlieferte Lied, sozusagen die Dammer „Nationalhymne" mit dem umarmenden Titel „Wir, das alte Volk von Damme" ist ursprünglich ein Lied der Schützen gewesen und erscheint den Narren (gewisse Gemeinsamkeiten sind nicht auszuschließen) im Liederbuch des Schützenvereins bereits 1843. Der so trocken klingende „Amtseinnehmer und Gerichtsaktuar" Josef Salen (1809-1873) hat es verfasst, offenbar für alle närrische Ewigkeit. Zwar ist es als echtes Kind seiner Zeit recht deutschtümelnd eingefärbt, doch bedient es in unnachahmlicher Weise das Dammer Wir-Gefühl.

Himmlische Funkenmariechen
Aus dieser ersten im liederlichen Sinne produktiven Phase stammt gleichfalls das mitreißende „Kerls, seid fidel", dem man kaum etwas entgegensetzen kann in Zeiten des närrischen Treibens. Es sei denn, der aufmerksame Beobachter bemerkt, dass in dem Liede jede Menge himmlische Funkenmariechen herumspringen, die wirklich „gut drauf sind", denn „da tanzen's und springen's, da lachen's und singen's, da trinken's brav Wein", wozu der „Herrgott" sogar einschenkt. So nach hoch droben betrachtet, müsste es ja gleichermaßen „Girls, seid fidel" heißen - falls Petrus damit einverstanden ist.

Ein Liederbuch für 100 Mark
Ob die fidelen Kerls schon im Ur-Liederbuch von 1901 auftauchten oder in einer der folgenden Auflagen, ist nicht überliefert. Schon 1904 bildete die Carnevalsgesellschaft eine „Commission zur Bearbeitung neuer Liederbücher", der nun Fritz Börger, Robert vor dem Esche, Joseph Wiegel, Wilhelm Gillmann und Johannes Vieth angehörten. Ab der dann folgenden zweiten Auflage scheint der Grundbestand des närrisch Dammer Liedguts gefestigt zu sein, so dass sich die dritte Auflage von 1913, die vierte von 1919 und die fünfte von 1923 kaum unterscheiden. Es sei denn, man vergleicht den Preis: Schlappe 25 Pfennige zahlten die Sangesfreudigen 1901, doch 1923 mussten sie stolze 100 Mark hinblättern. Das lag einerseits an der grassierenden Inflation, andererseits aber daran, dass ein „Zusammenrottungsverbot" bestand, zu deutsch: Es durften 1922-1933 keine Umzüge stattfinden. So waren denn die Liederbücher Raritäten in entbehrungsreicher Zeit.

Ein Butke kommt zu Bollmanns
Als die Dammer ab 1934 wieder ihre Fastnacht feiern durften, wurden nicht nur die närrischen Herzen wiederbelebt, sondern auch die Lungen und Stimmbänder. Einige Neuauflagen des Liederbuches - von Anfang bis heute gedruckt und erschienen bei Johannes Vieth - schließen sich wie selbstverständlich an. Doch was jeweils an Neuem hinzugefügt wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Großen Erfolg hatte auf jeden Fall der bei Bollmanns eingeheiratete und schon allein deshalb unbändige Carnevalist Hubert Butke mit seinen auf die jeweiligen Prinzen umgedichteten Liedzeilen.

Zwei Volltreffer eines Zugereisten
Zwischen 1939 und 1949 war den meisten eher nach „Lili Marleen" oder „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n" zumute, so dass nichts Neues an der Dammer Liederfront erschien. Doch mit dem ersten Nachkriegs-Carneval und trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen zuvor schlug 1949 wie eine Bombe das zweite unserer Lokal-/National-Lieder mit dem Titel „In Damme ist heut' Carneval" ein, vermutlich weil es so markant in der ersten Strophe gleich mit „Glücklich ist, wer vergisst" beginnt. Dass ein "Zugereister", Hermann Kloss, für einige Jahre Angestellter des Dammer Amtsgerichts, hier den närrischen Nerv so nachhaltig traf, dass seine Töne und Worte noch heute in aller Dammer Munde sind, hängt wahrscheinlich mit der erquickenden Nähe des seinerzeit dem Amtsgericht schräg gegenüberliegenden „Justizkasinos" zusammen, wo man ein Übermaß an Dammer Atmosphäre schnuppern konnte, so lange es von der Familie Pröbsting bewirtschaftet wurde.

Der zweite Volltreffer gelang Hermann Kloss kurz darauf mit dem einprägsamen Schunkelwalzer „Damme, du bist wunderschön". Vor allem die Selbstcharakterisierung „Wir sind aus gutem Holz" lässt jeden Dammer gleich an die närrische Sensibilität denken, die sich ja in dem unvergleichlichen Sprichwort „Holzauge, sei wachsam" klar und deutlich ausdrückt.

Willy Droste - der erste Hofkapellmeister
Die folgenden Fünfziger und Sechziger Jahre hatte das Dammer Liedgut der Küster und Organist von St. Viktor, der „Hofkapellmeister" Willy Droste fest im Griff. Nahezu jedes Jahr entsprang seiner Feder und seinem Klavier ein neuer Carnevalsschlager. Da seine Refrainzeile „Helau, helau, heute ist Carneval" von lobenswerter Klarheit ist (wäre da nicht vorher Hermann Kloss gewesen, müsste man sagen: Klar wie Kloßbrühe), hat sie als Drostes bekanntestes Lied bis heute in alter Frische durchgehalten. Vielleicht liegt, wer weiß, das Erfolgsgeheimnis auch in dem so mitfühlenden Vers „Denn einmal nur ist Carneval, ist Carneval im Jahr".

Rudi Bell führt das Oldenburger Recht ein
Nach gewissen Übergangsproblemen schälen sich in den folgenden närrischen Jahren zwei Namen musikalisch heraus, die teils allein, teils zusammen die Lungen und Stimmbänder der Dammer Sitzungsbesucher in Atem hielten: Rudi Bell und Günter Vormoor. Da die Dammer Fastnacht bekanntlich „ein einziger Rausch" (der Hochstimmung, versteht sich) ist, lagen die Titel „Einmal ist keinmal" und „Am liebsten beides" geradewegs auf der Zunge. Da das erste sich besonders heftig für das „Oldenburger Recht" (dreimal!) einsetzte, gelang es Rudi Bell, den Blick über den Tellerrand Dammensias hinauszuwerfen. Und damit der Blick nicht gar zu öde wird, lässt er mit „Am liebsten beides" gleich den entscheidenden Satz fallen: „...denn das hilft garantiert." Und wer lehnt schon eine 100%ige Garantie ab?

Der Reiz des Günter Vormoor
Die Zahl der Vormoorschen Lieder ist schließlich schon Legende, wobei ausgesprochen „reizende" Vorträge immer für die nötige Würze gesorgt haben, die den närrischen Musiker auszeichnen. Sein Sangesbruder Gerd Nyhuis (beide als „Drechselfix & Dudelix" bis in die 1990er Jahre ein Markenzeichen) wusste bekanntlich durch heftige Körpersprache alle Feinheiten der Liedtexte Günter Vormoors zu unterstreichen. Dem in gewissen Kreisen „Hinterwiese" genannten Vormoor ist naheliegenderweise auch die Initiative zu einer „So klingt’s von überall“-CD zu verdanken, so dass ab 1997 selbst die in Damme traditionell verbreiteten „stummen Sänger" ein Wörtchen mitsingen konnten.



Eckhardt Raska alias „Ecki Granada“
Seitdem er sich in Damme niedergelassen hatte, bezeichnenderweise als Blechblasinstrumentenbaumeister, war er aus dem musikalisch-närrischen Geschehen nicht mehr wegzudenken. Mit „Ecki“ blühte der selbst komponierte Song wieder auf, den er gern mit der ganzen Familie vortrug. Da kam’s denn schon mal vor, dass aus einem „Kuckucksei“ ein schwarz gemalter Sohn Martin Bananen ins Publikum warf. Als Universalmusiker war Eckhardt Raska in allen Situationen, die nach Musik verlangten, einsetzbar. Als erster ergriff er das Bedürfnis nach einer CD mit traditionellen sowie eigenen Liedern auf. „Helau Fastaubend!“ hieß sie kurz und einleuchtend, als sie 1994 erschien. Eckhardts früher Tod bedeutete folglich auch einen schweren Verlust für die Carnevalsgesellschaft.

Nu fanget all däi Katteker an tau singen
„Hörnschi“ und „Nucki“ nennen sie viele, doch wenn man sie sieht und hört, denkt man keineswegs an Eichhörnchen. Das ist die hochdeutsche Übertragung für den „Katteker“ (Dammer Platt!), der mittlerweile zum Maskottchen der Tourismusregion Dammer Berge erkoren ist, aber auch der Name, unter dem Frank Hörnschemeyer und Markus Nuxoll seit der Jahrtausendwende bekannte Songs im neuen Gewande präsentieren. Dabei verstehen sie es, die besten Melodien auszuwählen und ihr Publikum mit der besonderen Würze Damme-haltiger Texte zu wahren Begeisterungsstürmen hinzureißen. Und das Schöne ist: Das „Dammer Narrenblech“ nimmt diese „Katteker“-Songs gerne in sein Repertoire auf, so dass sie noch längere Zeit nachwirken. Auf der „Narrenblech“-CD von 2004 sind davon einige sogar für die Ewigkeit festgehalten...




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